Erste Hilfe für Tiere - was tun im Ernstfall?

Erste Hilfe für Tiere - was tun im Ernstfall?

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Jeder Haustierbesitzer weiß wie schnell ein Unfall passieren kann. Ein Hund tritt in eine Glasscherbe, das Kaninchen knabbert an einer giftigen Pflanze oder der Kater wird von einem fahrenden Auto erwischt.
Niemand wünscht sich eine solche Situation aber jeder sollte ein Basiswissen haben um im Notfall seinen tierischen Freunden beistehen zu können.

Wichtig: Dieser Ratgeber ersetzt NICHT den Tierarzt, es werden nur Maßnahmen zur ersten Hilfe genannt. Das bedeutet dass diese Maßnahmen zur Schmerzlinderung und Erstversorgung des Tieres vor dem Tierarztbesuch angewendet werden.

Jeder Notfall bzw. Unfall sollte schnell einem Tierarzt vorgestellt werden, für eine genaue Diagnostik und ärztliche Versorgung!

Bitte beachtet, dass auch das liebste und ruhigste Tier in einer schmerzhaften und erschreckenden Situation um sich beißen kann. Hier gilt immer der Selbstschutz.
1. Erstuntersuchung
Nähert euch einem verletzen Tier ruhig und behutsam. Seit auf Panikreaktionen gefasst und nehmt zur Not eine Decke und wickelt das Tier darin ein um es etwas zu fixieren.

  • Kreislauf: Wie es um den Kreislauf eines Tieres steht erkennt man am besten anhand der Schleimhäute. Je blasser diese sind, desto labiler ist der Kreislauf.  Wenn man auf die Mundschleimhaut drückt und den Finger wieder wegnimmt, darf es nicht länger als zwei Sekunden dauern bis sie wieder Farbe annimmt.
  • Atem: Ein sehr flaches und langsames Atmen wie auch ein sehr schnelles Hecheln sind Alarmzeichen die ein Tierarzt abklären sollte.

2. Blutungen
Bei leichten Blutungen sollte ein kleiner Druckverband angelegt werden. Hierzu einfach eine zusammengerollte Mullbinde auf die Wunde drücken und mit einem Verband umwickeln.
Sollte die Wunde nach 15-20 min nicht aufgehört haben zu bluten und kommt in pulsartigen Abständen hellrotes Blut aus der Wunde, handelt es sich sehr wahrscheinlich um eine Verletzung der Arterie.
Hier besteht Verblutungsgefahr und es besteht schneller Handlungsbedarf! Die Gliedmaße sollte oberhalb der Verletzung abgebunden werden und dann muss das Tier schnellstmöglich zum nächsten Tierarzt gebracht werden.
3 Schock
Aufgrund von großen Schmerzen oder eines Unfalls kann ein Tier in einen Schockzustand fallen.
Ein Schockzustand ist lebensgefährlich. Dieser zeigt sich am Anfang durch sehr schnelle Atmung, niedrige Körpertemperatur  und blasse Schleimhäute. Später kommt es zu flacher Atmung, unregelmäßigem Herzschlag und Reaktionslosigkeit.
Legt das Tier auf die Seite, streckt den Kopf um die Atemwege frei zu machen und hebt das Becken und die Hinterläufe an und legt ein Kissen oder eine Decke darunter.
Hier kann es schnell zu einer Unterkühlung kommen, bitte deckt euer Tier unbedingt mit einer Decke oder einer Thermofolie gut zu um es warm zu halten.
Auch hier muss ein schnellstmöglicher Transport in die nächste Tierklinik/Tierarzt erfolgen!
4. Insektenstiche
Gerade im Sommer kommt es schnell mal vor, dass unsere tierischen Mitbewohner von einer Wespe oder Biene gestochen werden.
Wenn nur eine leichte Schwellung auftritt, reicht es die Stelle mit einem nassen Tuch oder Waschlappen zu kühlen.
Ist der Stich jedoch in die Nase oder in den Rachen erfolgt muss das Tier schnell zum nächsten Tierarzt.
Gleiches gilt bei einer allergischen Reaktion, die sich durch Erbrechen, Durchfall, Schwanken und Bewegungslosigkeit direkt nach dem Stich zeigt.
5. Vergiftung
Eine Vergiftung kann sich durch folgende Symptome äußern:

  • Speicheln
  • Erbrechen
  • Zittern
  • Durchfall
  • Blasse Schleimhäute
  • Bewegungsstörungen
  • Atemnot

Auch hier gilt es schnell den nächsten Tierarzt aufzusuchen.
Bitte bedenkt, dass viele Hauspflanzen für Tiere giftig sind, genauso wie Medikamente, Tabak,  Schokolade, Putzmittel, Farbe, Lacke und vieles mehr.
6.Verbrennungen
Hat sich ein Tier verbrannt sollte die Verbrennung ca. 20 min lang gekühlt werden mit nicht zu kaltem Wasser (ca. 18-20°C).
Danach deckt die Verbrennung mit einer sterilen Mullbinde ab und bringt das Tier zum Tierarzt.
Wichtig: Keine Salben oder Sonstiges auf die Wunde schmieren!
7. Wiederbelebung
Überprüfung des Zustandes: Sprecht das Tier zunächst an und wenn es keine Reaktion zeigt, legt eine Hand auf den Brustkorb um die Atmung zu kontrollieren.
Den Puls kann man an der Innenseite des Oberschenkels spüren.
Sollte kein Puls und keine Atmung vorhanden sein muss mit der Wiederbelebung begonnen werden.
Richtige Position: Dreht das Tier auf die rechte Seite, streckt den Kopf nach hinten zur Öffnung der Atemwege. Kontrolliert das Maul auf Erbrochenes oder Gegenstände und schließt danach das Maul mit vorgezogener Zunge.
Mund zu Schnauze Beatmung: Hebt das Maul zu und holt tief Luft. Dann blast die Luft durch die Nase des Tieres durch kontrolliertes Ausatmen bis sich der Brustkorb des Tieres hebt.
Die Beatmung sollte alle 4-6 Sekunden erfolgen, solange bis das Tier selbstständig atmet.
Herzdruckmassage
Hier sollte das Tier auf einem festen Untergrund liegen. Bei großen Tieren drückt mit übereinander gelegten Handballen bei kleineren Tieren mit Zeige- und Mittelfinger 10-15 mal den Brustkorb und danach 2-3 mal beatmen.

Tipp: Eventuell bietet auch euer Tierarzt „Erste Hilfe Kurse“ für Haustiere an. Dort könnt ihr euer Wissen noch vertiefen. Nachfragen lohnt sich. 🙂

Bietet euer Tierarzt solche Kurse nicht an, gibt es z.B. auch noch Bücher zu diesem Thema:

Erste Hilfe für meinen HundErste Hilfe für Hunde für unterwegsErste Hilfe für meine Katze

Außerdem empfielt es sich für den Notfall immer ein Erste Hilfe Set (und ein paar Plastikspritzen OHNE Nadeln! für die Medikamentengabe ins Mäulchen) zur Hand zu haben.

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